Jeanne d’Arc auf dem Tahrirplatz – 11.02., 19 Uhr GfzK (Cafe KAFIC)

Vorführung: “Beit Sha’ar/ Nomad’s Home” Regie: Iman Kamel (2010), Ägypten, Deutschland, 61 min.

 Im Anschluss an die Vorführung laden wir zu einem Gespräch mit Iman Kamel ein.

Am 11.02.2012 jährt sich der Rücktritt des ägyptischen Despoten Hosni Mubarak. An diesem Tag haben die RevolutionärInnen vom Tahrirplatz Geschichte geschrieben. Mit dem Sturz des Regimes inspirierten sie Menschen auf aller Welt. Gerade die Tatsache, dass im Arabischen Frühling entgegen aller Wahrscheinlichkeit Muslime und Christen, Frauen und Männer, Arbeiter und Intellektuelle gemeinsam auf die Strasse gingen, motivierte viele Nachahmer. Kurz darauf begannen auch in Madrid, New York und Berlin Demonstrationen für eine andere Gesellschaft.

Frauen spielen eine wichtige Rolle im Arabischen Frühling. Ohne die weiblichen Aktivistinnen mit und ohne Kopftuch wären die Revolutionen in Ägypten, Tunesien und Syrien undenkbar. Diese Frauen waren bereit, mit aller Kraft für die Freiheit zu kämpfen. Die Filmemacherin Iman Kamel (Kairo/Berlin) sieht in ihnen legitime Nachfolgerinnen der legendären Jeanne d’Arc.

Heute, ein Jahr danach, werden die politischen Frühlingsgefühle von massiver Frustration überschattet. Es häufen sich die Anzeichen, dass Frauen ganz gezielt wieder aus dem politischen Diskurs verdrängt werden sollen. Der Tahrirplatz ist von einem Ort der gelebten Freiheit und Utopie wieder zu einem Platz geworden, auf dem Frauen Angst um ihre persönliche Integrität haben.

Iman Kamel hat in ihrem mehrfach preisgekrönten Dokumentarfilm „Beit Sha’ar/ Nomad’s Home“ eine starke Frau in den Mittelpunkt gestellt, die innerhalb der patriarchalen ägyptischen Gesellschaft ihren eigenen Weg geht. Die Beduinin Selema lebt im Sinai, an der Grenze zu Israel. Selema ist eine starke, ganz und gar unabhängige Frau, die es geschafft hat, in dieser unwirtlichen, stark militarisierten Gegend aus den starren Traditionen auszubrechen. Iman Kamels Film ermöglicht einen Einblick in das Leben dieser außergewöhnlichen Frau und die (vor-revolutionäre) ägyptische Gesellschaft und ist gleichzeitig subtile Studie zur Beschaffenheit der Freiheit. Selemas Weg und ihre Definition von Freiheit ist nur eine von vielen Möglichkeiten. Im arabischen Frühling wurde aus vielen individuellen Antworten für eine begrenzte Zeit ein machtvoller Chor, der weit über die Ländergrenzen zu vernehmen war.

Mehr Informationen zu „Beit Sha’ar/ Nomad’s Home“ finden sich auf der Webseite www.nomadshome.net

Momentan arbeitet Iman Kamel für ihr neues Projekt „Jeanne d’Arc Masriya” (“Die ägyptische Jeanne d’Arc”) mit verschiedenen ägyptischen Aktivistinnen zusammen. Im Mittelpunkt stehen dabei die Frauen selbst und die Frage, wie es gelingen kann, die ganz bewusste Verknüpfung des Privaten mit dem Politischen gerade in Zeiten der Repression nicht aufzugeben.

“We are not only changing the regime.

We are changing ourselves.

We are discovering ourselves anew!”

Nada (Activist in Tahrirsquare)

Leipzig, 11-FEB-12, Galerie für Zeitgenössische Kunst

Karl-Tauchnitz-Straße 9-11, D-04107 Leipzig

Beginn 19:00 Uhr, Eintritt: 3,50 EUR

mit Iman Kamel, Moderation Luc-Carolin Ziemann

Die Veranstaltung wird gefördert durch die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen.

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Über film plus*
"film plus*" ist eine neue, bewusst transdisziplinär angelegte Filmreihe, welche die Begegnung mit dem Unbekannten, dem vermeintlich Fremden in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit rückt. Dabei treffen Filme auf Musik, Literatur, Performance oder bildende Kunst.

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